Spanien und die Ornamentkunst

Die maurische Kunst in der spanischen Architektur hat mich in meiner Jugend sehr geprägt. Wer durch den nasridischen Palast in Granada, der Al-hambra - die Rote - läuft, wird von der Schönheit und Perfektion der filigranen Stuckornamente überwältigt. In Spanien ist die Ornamentkunst hauptsächlich in der Architektur - in Fliesen, Holz-, Stein- und Stuckarbeiten, aber auch im Kunsthandwerk,  vor allem in Keramik und Buchbindungskunst zu finden.

1492. Dieses Jahr markiert das Ende eines Traums und einer Kultur, aber auch den Beginn einer neuen Zeit.

Am 6. Januar des schicksalhaften Jahres 1492 fällt Granada, die letzte moslemische Bastion in Spanien. Die katholischen Könige, Isabel de Castilla und Fernando de Aragón, ziehen nach langer Belagerung in die Hochburg des letzten maurischen Herrschers, Boabdil, ein. Boabdil übergibt die Schlüssel von Granada ohne Kampf, um die Al-hambra vor der Zerstörung zu schonen. Fast acht Jahrhunderte islamischer Präsenz in Al´Andalus finden damit ein Ende.

500 Jahre später, zu den Feierlichkeiten der spanischen Einheit, muss eingesehen werden, dass 1492 ein trauriger Abschied des Islams stattfand. Die Vertreibung der Juden und Mauren führte zu einer "Verarmung der Seele", des kulturellen sowie des intelektuellen und künstlerischen Lebens. Sie hinterließ eine wichtige Lücke in der spanischen Wirtschaft, zumal zahlreiche Handwerker und kleine Betriebe das Land verlassen mussten, die zum großen Teil das Osmanische Reich mit ihren Fertigkeiten bereicherten. Nach der Kapitulation Granadas wird das Band zwischen Europa und dem Islam unglücklicherweise gebrochen und die islamische Welt entfernt sich. Der geläufige, bekannte Maure von nebenan wird ab 1492 zum befürchteten Türken, zum Fremden. Die Annäherungschance zwischen der christlichen und der islamischen Welt wurde politisch verpasst.

Aber bald entstand in Spanien eine "arabische Nostalgie", eine Sehnsucht nach 1.001 Nacht, die sich insbesondere in den Künsten, in der Literatur und in der Musik wiederspiegeln wird.

Heute, am Anfang des XXI. Jahrhunderts, sollen meine Arbeiten in der Arabischen Ornamentik einen Beitrag leisten.  Die Schönheit der Ornamentkunst soll Brücken zwischen den Kulturen errichten und den Völkern zu einer Annäherung verhelfen.