Geschichte der Ornamentik in der Türkei

Im 13. Jahrhundert, in der Zeit der anatolischen seljuken und später, in der Zeit der Beylik - Periode, entwickelte sich ein besonderer Stil der Ornamentik in Konya, das zentrale und wichtigste Kunstzentrum der Zeit.

Die Arbeiten während der Seljukischen Dynastie sind reich im Design und dennoch schlicht und mäßig. Sie gelten als beste Beispiele für den Konya-Stil. Die seljukische Kunst wird durch ineinander gehende geometrische Muster charakterisiert, verziert mit Punkten, Sternen und blätterähnlichen Motiven. Auf dem oberen Rand der Seite werden meist schwarze Flechtbänder auf goldenem Hintergrund angebracht. Ein rundes Medallion wird von Münhani - Muster umrandet. Die in dieser Periode meist auftretenden Farben sind Gold, dunkelblau, weiß und rotbraun. Tigs, sogenante Abschlußverzierungen, werden eher vermieden oder in Form von feinen Abschlußlinien angebracht.

Während der Beylik-Periode im 14. Jahrhundert waren rot, grün, dunkelblau und Gold die häufigsten Farben, die Designs ähneln die der frühen osmanischen Ornamentik der Seljuk - Periode.

Im 15. Jahrhundert entwickelte sich eine große Liebe zu illustirerten Manuskripten, insbesondere während der Herrschaft von Mehmet, dem Eroberer. Er ließ in seinem Palast eine Werkstatt speziell für diese Zwecke errichten. Dort wurden viele Exemplare zum Vergnügen dieses beachtenswerten Sultans geschrieben, illustriert und gebunden. Der Stil dieser Zeit bevorzugt die Errichtung von zwei Anfangsseiten mit jeweils einem Medaillon: der eine enthielt die Widmung an den Sultan, der andere enthielt den Titel des Buches und den Namen des Autors. Ungleich der seljukischen Medaillons, waren die des späten 15. Jahrhunderts oval. Nach diesen zwei vollen Seitenverzierungen folgte die serlehva - Ornamentik in Form eines waagerechten Rechtecks. Einfachheit und ein richtiger Maß in der Verwendung von Gold und blau, sind die Handzeichen dieser Zeit.

In einem anderen Kulturzentrum der Zeit, Amasya, wurde ein Ornamentstil entwickelt, der hauptsächlich Rumiformen in Gold-auf-Gold durch feine tig-Verzierungen hervorgehoben werden. In der Zeit als Bayezid II in Amasya auf den Thron wartete, ordete er die Bindung und Illustration einer Zahl von Büchern für seinen Vater in diesem warmen, ansprechenden Stil.

Im 16. Jahrhundert erreicht die traditionelle Ornamentik ihren Höhepunkt. Die zahlreichen Motiven, Farben und Kompositionen, die Perfektion der Techniken, die Vielfalt und Subtilität in den Designs, der großzügige Gebrauch von Gold im Einklang mit den begleitenden Farben auf blauem Hintergrund sind charakteristisch für die Illustrationen dieser Periode. Die Reihe der tig-Linien erweitert sich, und das Hinzufügen von Rumiformen steigert den eleganten Effekt. Gegen Ende des Jahrhunderts kann man sogar floristische Muster in den tig-Umrandungen vorfinden.

Der Chef-Illustrator des Hofes in der Zeit von Kamuni, dem Großartigen, setzt sein persönliches Siegel in der Ornamentik-Kunst dieser Periode. Er verziert jede Seite des Gedichts des Sultans mit natürlichen Blumen im halkar-Stil. Fast alle Koltuk-Illustrationen zwischen den Versen sind verschieden und wahrlich großartig.

Die Ornamentik des frühen 17. Jahrhunderts führt den Stil des späten 16. weiter.Was dieses Jahrhundert ausmacht, war die größere Bereicherung mit Gold.

Im 18. Jahrhundert bewegte sich die Ornamentik in Richtung Kompositionen um ein großes Blumenbouquet und komplizierten Verzierungen. Selbst die tig-Bordüren waren gefüllt mit aufgeblasenen, breiten Blumen. Barock und Rockocko fanden ihren Weg in die Kunst als Bänder, lebensähnliche Zweige, Blätter und allgemeine Großzügigkeit zur Norm wurden.

Im 19. Jahrhundert setzte ein Rückgang der Ornamentkunst ein. Mangel an Interesse reduzierte die Anzahl an Illustratoren zu einer Handvoll. Ornamentik konnte dank der Mühe des Prof. Dr. A. Süheyl Ünver und seines Lehrgangs der nächsten Generation zu uns gelangen. Heute gibt es Abteilungen für traditionelle Kunst in diversen Universitäten und spezielle Kurse, durch welche die Kunst der Ornamentik vor dem Absterben geschützt wird. Ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung bzw. Wiederbelebung der türkischen Ornamentkunst hat Mine Esiner Özen mit dem Werk Türk Tezhip Sanati (Turkish Art of Illumination) geleistet.