Die Kunst der Arabischen Ornamentik

Meine Arbeiten basieren hauptsächlich auf die türkische traditionelle Ornamentmalerei, bleiben aber nicht in der Nachahmung alter Meister stehen. Der Gebrauch der Farben außerhalb der traditionellen Farbpalette, sowie das Ausprobieren moderner und selbst entworfener Designs lassen diese Kunst in einem neuen Licht erscheinen, einen neuen Weg gehen.

Vor der Zeit des Buchdruckes wurden Manuskripte mit Feder in schwarzer Tinte in arabischer Schrift auf mit ahar poliertem Pergamentpapier (einer Mischung aus mühre, einem Glasderivat, welches das Papier weich und glänzend machte, und Eiweiß) geschrieben. Wichtige Bücher wurden in aufwendiger Kalligrafie geschrieben und mit Ornamenten, Marmorierungen, Gravierungen und Miniaturen verziert. Die Buchkünstler: Kalligrafen, Illustratoren, Miniaturmaler, Vergolder und Buchbinder verwandelten Bücher in Kunstwerke. Die in so aufwendiger und künstlerischer Art hergestellten Manuskripte wurden üblicherweise Padishahs, Sultanenfrauen und ehrenwerten Persönlichkeiten geschenkt und privaten Buchsammlungen und Bibliotheken gewidmet, die von Buchinteressierten gegründet wurden.

Tezhip ist der türkische Ausdruck für Ornamentmalerei. Damit werden Verzierungen bezeichnet, die mit Farbe und Gold Büchermanuskripte verschönern. Die Verzierungen in Manuskripten, geschriebenen Alben, murakka genannt, Heften mit wunderbaren Schriftzügen in Farbe oder Gold werden als Ornamente bezeichnet. Das Wort Tezhip kommt aus dem arabischen Wortstamm "zeheb" (Gold) und bedeutet wörtlich "vergolden", "mit Gold verzieren". Der türkische Name für Illustrator ist müzehhip, seine Arbeit stammt aus dem gleichen Wort und heißt müzehhep.

Viele  Künste traditionellen Ursprungs wurden von einer Gruppe von Handwerkern hergestellt, die an einem einzigen Werk tätig waren. Die Arbeiten wurden in kleinen Sälen des Sultanpalastes ausgeführt bzw. in der Werkstatt eines großen Ornamentmeisters. Als erstes, stellte der Kalligraf den gesamten Text fertig. Danach war der Rahmensetzer (çedvelkes) an der Reihe, die Linienmarkierungen für das Ornament in schwarzer bzw. blauer Tinte oder in roter Farbe (sürh) zu ziehen. Dann wurden von Meister und Lehrlinge Punkte für das vom Ornamentmaler erarbeitete Werk gesetzt. Dieser malte anschließend die Verzierung entweder alleine oder mit anderen Künstlern zusammen.

Früher wurde das Modell folgendermaßen hergestellt: Als erstes, malte der Illustrator das Design auf einem einfachen Papier. Meister und Lehrlinge legten dieses Papier auf eine harte, aus Holz und Zink hergestellten Oberfläche. Die Linien wurden mit Nadeln in das Papier gestochen. Das ausgestochene Papier wurde auf den endgültigen Untergrund, der illustriert werden sollte, meistens hochwertiges Pergament, gelegt und mit Puder aus zerkleinerten Schneckengehäusen oder Muscheln bestreut. Das Puder geriet so durch die Nadellöcher auf das darunterliegende Pergamentpapier. Die dadurch entstandene Musterung wurde dann mit Hilfe eines dünnen Pinsels miteinander verbunden, so dass das Design wieder sichtbar wurde. Dann wurde das Ornament vergoldet, anschließend wurden die Farben aufgetragen, um zu allerletzt, schwarze Konturen mit einem sehr feinen Pinsel zu ziehen.

Heute ist der Prozess einfacher. Und dennoch durchlaufen alle Werke von der Konzipierung bis zur Fertigstellung sechs Phasen.

1. Konzeption und Entwurf: Auf Karo-Papier wird das Design mit Zirkel und Lineal Millimeter genau konzipiert und erstellt .

2. Übertragung auf Transparentpapier: Der Entwurf wird auf ein Transparentpapier übertragen. Diese Zeichnung dient als Vorlage und kann mit kleinen Änderungen für andere Kompositionen verwendet werden.

3. Übertragung auf das endgültige Papier: Mit Hilfe eines Leuchttisches wird das Design auf das endgültige Papier übertragen. In der Regel verwende ich "Elefantenhaut"-Papier. Wegen seiner glatten Oberfläche und dem marmorierten Grund erinnert es an Pergament. Mit Tee oder Blüten gefärbte Papiere können auch verwendet werden. Die Wirkung mit dem Gold ist sehr spannend.

4. Vergoldung: Als nächstes wird das Werk vergoldet. Die Goldfarbe wird in der traditionellen handwerklichen Methode hergestellt (s. Technik und Motive) und angebracht.

5. Kolorierung: Anschließend wird das Bild koloriert. Dafür werden Tuschfarben mit einer bestimmten Rezeptur gemischt, um genau die Farbtöne der traditionellen Ornamentmalerei zu erreichen.

6. Konturierung: Das farbenprächtige Bild erhält eine schwarze Kontur. Dadurch kommen die Formen und die Farben deutlicher zur Geltung. Die filigrane Arbeit bekommt dadurch ihre feine Fertigstellung.

Die unterschiedlichen Arbeits-Phasen haben einen meditativen Charakter. Dadurch wird das Malen zu einem Gebet.